Webdesigner auswählen: Portfolio und Arbeitsweise prüfen
Ein fertiger Screenshot erklärt noch nicht, wer welche Arbeit gemacht hat. Prüfe echte Seiten, konkrete Entscheidungen und den Ablauf bis zur Übergabe.

Das Wichtigste auf einen Blick
- Vergleiche Arbeitsproben mit einer konkreten Aufgabe aus deinem Betrieb.
- Kläre Rolle, Projektkontext, mobile Nutzung, Entscheidungen und Übergabe.
- Der Prüfbogen hält Beobachtungen fest, damit du die Portfolios nach denselben Punkten vergleichst.
Lege fest, woran du die Arbeit prüfst
Überlege, was Interessierte auf der Website tun sollen: eine Leistung verstehen, zwei Angebote vergleichen, einen Ablauf nachvollziehen oder eine erste Anfrage senden. Notiere diese Aufgabe. Du brauchst dafür noch kein vollständiges Briefing. Die Notiz gibt dir einen gemeinsamen Maßstab für alle Arbeitsproben.
Wähle zwei oder drei Anforderungen für alle Portfolios, zum Beispiel ein klar erklärtes Angebot, eine gut lesbare Smartphone-Ansicht und einen sinnvollen nächsten Schritt. So vergleichst du die Arbeit mit deinem Vorhaben. Eine Seite für eine andere Zielgruppe zeigt gestalterische Qualität, sagt aber wenig darüber aus, ob sie zu deinem Projekt passt.
Das Website-Briefing hilft dir, die Projektunterlagen geordnet vorzubereiten.
Kläre Rolle und Ausgangslage jedes Beispiels
Zu jeder Arbeitsprobe sollten Betrieb, Zielgruppe, Auftrag und der Beitrag der Person gehören, die du beauftragen möchtest. Frage, wer Struktur, Texte, Bildauswahl, Gestaltung, technische Umsetzung und Abstimmung übernommen hat. Bei Teamprojekten sollte die eigene Beteiligung erkennbar sein. Ein Agenturname verrät noch nicht, wer dein Projekt betreut.
Lass dir die gestalterischen Entscheidungen erklären. Warum steht eine Leistung an dieser Stelle? Welche Information wurde weggelassen? Welche Vorgabe hat die mobile Gestaltung beeinflusst? Handelt es sich um eine freie Konzeptarbeit, sollte sie klar so bezeichnet sein.
Googles Leitfaden behandelt die Auswahl von SEO-Fachleuten, nicht von Webdesignern. Er empfiehlt, frühere Arbeiten, passende Erfahrung und erwartbare Ergebnisse zu besprechen. Nutze diese Fragen als Anregung und prüfe anschließend, ob die Arbeitsproben zu deinem Auftrag passen.
Öffne die echte Website auf dem Smartphone
Wenn ein Portfolio auf eine veröffentlichte Seite verweist, öffne sie am Rechner und am Smartphone. Suche eine Leistung, lies die Voraussetzungen und probiere die wichtigste Aktion aus. So prüfst du Links, Texte, Navigation und Kontaktweg direkt.
Achte darauf, ob die mobile Ansicht dieselbe Aussage verständlich vermittelt. Lies die Überschriften der Reihe nach. Prüfe abgeschnittene Texte, überlagerte Schaltflächen, ungünstig zugeschnittene Fotos und schwer nutzbare Formulare. Notiere Gerät und Seite. Ein kurzer Funktionstest ersetzt keine vollständige Barrierefreiheits- oder Technikprüfung.
Ist ein Projekt vertraulich oder nicht mehr online, bitte um freigegebene Ansichten und eine Erklärung des Kontexts, des eigenen Beitrags und der gelieferten Arbeit.

Prüfe, ob die Gestaltung zur Aufgabe passt
Frage, ob die Gestaltung die Aufgabe unterstützt. Steht auf der ersten Ansicht, für wen das Angebot passt? Zeigen Fotos die Arbeitsumgebung? Erklärt die Seite, was vor einer Anfrage passiert? Sagt ein Linktext, wohin er führt? So beurteilst du die sichtbaren Entscheidungen anhand des Bedarfs.
Google empfiehlt hilfreiche, nutzerorientierte Inhalte und aussagekräftige Linktexte. Nutze diese Leitfäden für konkrete Prüfungen der Website und bewerte die Arbeitsproben anschließend anhand der Aufgabe deiner Kundschaft.
Verlange nicht, dass alle Projekte deinen Farben oder deiner bevorzugten Schrift ähneln. Ein gutes Portfolio zeigt unterschiedliche Situationen. Bitte um eine Erklärung: Welche Entscheidung kam aus der Zielgruppe, welche aus dem Material und welche aus dem Auftrag? So erkennst du, ob die Person gestalterische Entscheidungen begründen kann.

Prüfe Zusammenarbeit und Übergabe
Kläre im Gespräch, wie Inhalte gesammelt, Entwürfe vorgestellt, Rückmeldungen dokumentiert und Freigaben erteilt werden. Wer liefert Texte und Fotos? Wer prüft fachliche Aussagen? Wer entscheidet am Ende? Ein verlässlicher Ablauf weist Aufgaben konkreten Personen zu.
Lass im Angebot festhalten, ob die Übergabe veröffentlichte Seiten, bearbeitbare Dateien, bereitgestellte Bilder, Zugänge, eine kurze Anleitung und Supportgrenzen umfasst. Frage, wem Konten gehören und wie Zugangsdaten verwahrt werden. Halte die vereinbarten Punkte im Projekt fest.
Entscheidend sind auch die Personen, die tatsächlich mitarbeiten. Wer nimmt an Besprechungen teil? Wer beantwortet Fragen? Wer ist nach der Veröffentlichung zuständig? Bei einer Agentur lohnt sich die Nachfrage, ob die Person aus dem Gespräch später auch Entscheidungen trifft.
Nutze für alle Portfolios denselben Prüfbogen
Halte fest, was du gesehen hast und was offen bleibt. Nutze eine Punktzahl nur als Vergleichshilfe. Notiere, welche Person Belege zu denselben Anforderungen vorgelegt hat und welche Fragen noch offen sind. Ergänze zu jeder Einschätzung eine Notiz oder einen Link, damit dein Team den Vergleich nachvollziehen kann.
Schreib „nicht gezeigt“, wenn ein Portfolio eine Frage offenlässt. Fehlende Angaben sind kein Beweis für fehlende Fähigkeiten. Frage nach oder bitte um ein passendes Beispiel, bevor du daraus eine Entscheidung ableitest.
| Prüfpunkt | Festhalten | Nachfrage bei Unklarheit |
|---|---|---|
| Rolle | Welche Aufgaben die Person selbst übernommen hat | Wer übernimmt diese Aufgaben in meinem Projekt? |
| Kontext | Zielgruppe, Anlass und wichtige Einschränkungen | Was hat Struktur oder Inhalt geprägt? |
| Echte Arbeit | Live-Link oder erklärte, freigegebene Ansichten | Welche Seiten und Funktionen wurden umgesetzt? |
| Mobile Nutzung | Prüfung der gleichen Aufgabe am Smartphone | Wie wurde die Reihenfolge bei wenig Platz gelöst? |
| Begründung | Entscheidung mit Bezug zu Bedarf oder Material | Welche Alternative stand zur Wahl? |
| Übergabe | Dateien, Zugänge, Anleitung und Zuständigkeit | Was enthält die vereinbarte Übergabe? |
Vergleiche zwei fiktive Portfolios
Fiktives Beispiel: Eine kleine Fahrradwerkstatt mit zwei Beschäftigten möchte den Unterschied zwischen regelmäßiger Wartung und einer Reparaturprüfung erklären. Interessierte sollen anschließend eine brauchbare erste Nachricht senden.
Portfolio A zeigt die Startseite eines großen Händlers am Rechner. Die Gestalterin erklärt ihre Rolle und die Bildsprache, aber eine mobile Ansicht und eine passende Leistungsseite fehlen. Portfolio B verlinkt auf die Website einer Werkstatt und erklärt Seitenaufbau sowie Prüfung am Smartphone. Zur Übergabe gibt es keine Angaben. Bitte Portfolio A um eine passende Leistungsseite und Portfolio B um Details zur Übergabe.
So werden aus allgemeinen Eindrücken konkrete Fragen. Für den Aufbau eines Projektbeispiels hilft der Leitfaden zur nachvollziehbaren Fallstudie.
Der Leitfaden zur Website-Fallstudie erklärt Kontext, Beitrag und Belege.
Schließe offene Fragen im Erstgespräch
Nimm den Prüfbogen mit und frage nach den Punkten, die für deinen Auftrag zählen. Wer gestaltet und setzt die Seite um? Wie prüft das Team die mobile Ansicht? Was passiert, wenn Inhalte später kommen? Welche Dateien und Zugänge werden am Schluss übergeben? Bitte um konkrete Beispiele, ohne vertrauliche Angaben früherer Kunden zu verlangen.
Eine hilfreiche Antwort nennt eine verantwortliche Person, einen Ablauf und eine Grenze. „Wir übernehmen alles“ erklärt den Umfang nicht. Wenn du laufende Marketingbetreuung, regelmäßige Suchmaschinenoptimierung oder ein umfangreiches internes System erwartest, prüfe ausdrücklich, ob diese Arbeit wirklich angeboten wird.
Notiere, was du erfahren hast, was offen ist und wer die nächste Frage beantwortet. Entscheide anhand der Belege: Wer zeigt passende Arbeit, erklärt den eigenen Beitrag und beschreibt eine Übergabe, die zu deinem Bedarf passt?
Häufige Fragen
Wie viele Projekte sollte ich im Portfolio ansehen?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Suche ein passendes Beispiel und prüfe Rolle, Begründung und Übergabe. Ein Projekt mit nachvollziehbarem Kontext sagt mehr als eine lange Galerie.
Muss ein Webdesigner nur Live-Websites zeigen?
Eine veröffentlichte Seite lässt sich direkt prüfen. Bitte bei vertraulichen oder nicht mehr verfügbaren Projekten um freigegebene Ansichten. Frage nach Kontext und Beitrag und lass Konzeptarbeit klar kennzeichnen.
Belegt ein Portfolio den Erfolg meiner künftigen Website?
Nein. Ein Portfolio zeigt ausgewählte frühere Arbeit und die erklärte Rolle des Designers. Es sagt keine Besucherzahlen, Verkäufe oder Anfragen voraus. Prüfe, ob Vorgehen und Übergabe zu deinem Auftrag passen.
Quellen und weiterführende Links
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